Die Offenbarung des Unterbewusstseins

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Die Offenbarung des Unterbewusstseins
VON ANNE DIESTELKAMP

Fred Tomaselli öffnet Türen zu bisher unbekannten Welten

“I want people to get lost in the work. I want to seduce people into it and I want people to escape inside the world of the work. In that way the work is pre-Modernist. I throw all of my obsessions and loves into the work, and I try not to be too embarrassed about any of it. I love nature, I love gardening, I love watching birds, and all of that gets into the work. I just try to be true to who I am and make the work I want to see. I don’t have a radical agenda.“1

Mit diesem Zitat aus dem Jahre 2008 beschreibt der amerikanische Künstler Fred Tomaselli seine Arbeit, die in ihrer Fragmentierung auf den ersten Blick an Werke des manieristischen Künstlers Giuseppe Arcimboldo erinnern. Anders als der italienische Maler der Spätrenaissance geht Tomaselli jedoch über die Grenzen des einfachen Collagierens hinaus und schafft psychedelische, bewusstseinserweiternde Bilder, die den Betrachter in einen Strudel von Assoziationen hineinziehen.

Fred Tomaselli (*1956), der im Jahre 1982 in Santa Monica, Kalifornien, seinen Bachelor für Malerei und Zeichnung an der California State University, Eullerton, absolviert, hat sich seitdem eine angesehene Künstlerposition auf der internationalen Bühne der Kunstwelt gesichert. In seinen expressiven Arbeiten, auf Papier und Holz erhebt er die Natur, das Künstliche, die Wahrnehmung der (vermeintlichen) Realität sowie das menschliche Bewusstsein zum Thema seines Schaffens. Dabei bilden seine Werke ein Konglomerat aus Pflanzen, verschreibungspflichtigen Pillen, Halluzinogenen sowie Bildfragmenten aus Büchern und Magazinen, die meist florale Motive abbilden. All jene Bestandteile ordnet der Künstler auf Holzgründen an und lässt sie zu neuen Figurationen verschmelzen.

Bereits in seinen frühen Schaffensjahren entwickelt Tomaselli eine Faszination für Halluzinogene und Pflanzenextrakte, obgleich er sich nie im exzessiven Drogenkonsum verliert. Die Folgen seiner Erfahrungen und Experimente spiegeln sich jedoch bis heute in seinen Werken wieder. Seine Arbeiten sind geprägt von Farbexplosionen, sind beinahe von utopischem oder dystopischem Charakter. Sich stets auf der Grenze von Abstraktion und Figuration bewegend, verwebt Tomaselli kunsthistorische Typologien mit dekorativen Elementen westlicher und östlicher Kulturen und schafft schlussendlich bewusstseinserweiternde Werke, die sich in Form von ausdrucksstarken Farbexplosionen auf Holz oder Papier einschreiben.

„I built up this border of tomato and other vine plants all around the edges, and gradually those borders became even more interesting to me than the stuff they were intended to hide.“2

Während seiner Zeit an der California State University, verbringt Tomaselli einen Großteil seiner Zeit mit dem Anbau von Marijuana in seinem bescheidenen Hinterhof. Um den Anbau des Rauschmittels vor seinen Nachbarn zu verbergen, beginnt Tomaselli darüber hinaus mit dem Heranzüchten eines natürlichen Sichtschutzes in Form von Tomatenpflanzen und Wein. Mit der Zeit verlagert sich schließlich sein Interesse für das Rauschmittel zu einem allgemeinen Interesse für Pflanzen.

Von da an beginnt Tomasellis stetige Faszination für die Welt der Flora. Der Künstler beginnt die Welt der Natur als eine parallele Realität zu verstehen. Eine Welt, die dazu einlädt, sie zu erschließen. Hier sieht Tomaselli sich selbst als Künstler in der Verantwortung. Er versteht sich

1 Robert Ayers (October 20, 2006), Fred Tomaselli, ARTINFO, retrieved 2008-04-21
2 Weschler, Lawrence: „Tomaselli’s Times“ in: The Virginia Quarterly Review, 2014, Vol.90.

als Augenöffner, als jemand, der Betrachtenden die Tür zu einer anderen Welt öffnet. Bei der Betrachtung von Tomasellis Werken werden Rezipierende eben jener Fähigkeiten Tomasellis gewahr. Seine Werke zeugen von einem bewusstseinserweiternden Charakter, als Guckloch in eine andere Welt, die uns gleichermaßen vertraut wie fremd erscheint. Dem Künstler gelingt es damit, das Sujet der Drogen mit der Natur zu verweben.

1985 ist das Jahr, in dem Tomaselli seine Zeit in Los Angeles beendet, um sich in New York neu zu orientieren. Er zieht in ein Haus in Williamsburg in dessen Hinterhof er seine Leidenschaft für das Gärtnern fortsetzt. Während dieser Zeit beginnt Tomaselli außerdem erstmalig wesensverändernde Pillen in seine Arbeiten auf Holzpaneelen einzubetten.

„No doubt about it; I’m a news junkie to this day—I just really get a kick out of watching the history of the world unfold on a daily basis.“3

Im Jahre 2005 wendet sich Tomaselli einem neuen Medium zu und beginnt sich mit der New York Times entnommenen Zeitungsartikeln zu beschäftigen. Indem er die Titelseiten der Zeitung mit Gouache und Collagentechniken bearbeitet, kreiert der Künstler surreale Transformationen der Artikel und öffnet, ähnlich wie in seinen Gemälden, Tore zu einer eigenen Welt. Tomaselli versteht sich in diesem Zusammenhang als Editor, der die Möglichkeit der analogen Bildbearbeitung nutzt, um auf die Nachrichtenflut und das Chaos der Weltpolitik zu antworten. Durch das Bearbeiten der Artikel kommentiert Tomaselli nicht nur subjektiv das Weltgeschehen, sondern bricht darüber hinaus die Deutungshoheit der Presse auf.

„Well, this was deep into the second Bush administration, the miserable fiasco of the Iraq War, and, despite that, his reelection, and I seemed to be yelling at the paper almost every morning— those were immensely frustrating and exasperating years to be a news junkie. And presently the yelling escalated to sometimes scrawling all over the paper—Tucking asshole‘ or ‚You bastards!‘ or whatever—and Laura, my wife, would go, ‚Oh, you’re wrecking my New York Times.‘ So I was already editorializing and graffitiing all over the paper anyway, and I decided to go with it… I just started drawing on it.“4

In seinen Papierarbeiten überlagert Tomaselli die bestehende typographische Struktur der New York Times mit floralen, grafischen und farbintensiven Fragmenten. Sein Werk mit dem Titel „Guilty“ (Abb.1) zeigt den Ex-Vorstandsvorsitzenden (CEO) Bernie Ebbers der US-amerikanischen Telefongesellschaft WorldCom an der Hand seiner Frau. Bei der Betrachtung der bearbeiteten Fotografie wird eine Analogie zu Masaccio’s Fresko „Die Vertreibung aus dem Paradies“ in der Brancacci-Kapelle (Florenz) deutlich. In der Darstellung Ebbers’ knüpft Tomaselli an Masaccios Typologie der Vertriebenen an und schafft damit ein Exempel für seine kunsthistorischen Bezüge.

3 Ebd. 4 Ebd.

„Die Collage-Technik ist die systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten

Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu

ungeeigneten Ebene – und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten 5

überspringt.“ – Max Ernst

Die Natur und ihre Erforschung hat KünstlerInnen bereits seit Jahrhunderten beschäftigt. Auch Fred Tomasellis Arbeiten weisen ein tiefgehendes Interesse an der natürlichen Welt auf, die er mit typologischen Elementen der Kunstgeschichte, Popkultur und seinen eigenen Assoziationen verwebt. Mit seinen surrealistisch wirkenden Werken knüpft Fred Tomaselli an kunsthistorische Traditionen der Moderne östlicher wie westlicher Kulturen an. Im Kontext einer kunsthistorischen Einordnung des Künstlers spielen dabei insbesondere Max Ernst und Jackson Pollock eine entscheidende Rolle.

Bei der Betrachtung von Werken des Künstlers Max Ernst lassen sich diverse Arbeiten finden, die grafisches Bildmaterial aus verschiedensten Büchern enthalten. Die einzelnen Bestandteile speist der Künstler in seine Arbeiten ein, um durch innovative Kombinationen neue Bildinhalte zu schaffen. Gerade in seiner künstlerischen Phase nach dem Ersten Weltkrieg bedient sich Ernst dieser Methode, indem er gefertigte Collagen übermalt, einzelne Bildteile zueinander in Beziehung setzt und schließlich zu einem Werk miteinander verschmelzen lässt.6

Die Rolle des Malers besteht darin, einzukreisen und zu projizieren, was er in sich selbst sieht“7 – Max Ernst

Inspiriert von Giorgio de Chirico, einem der Hauptvertreter der Pittura metafisica, bringt Max Ernst Bildmotive in neue Zusammenhänge – eine Methode, die sich später im Surrealismus fortsetzen sollte. Dabei bildet für Ernst Sigmund Freuds Verständnis von der freien Assoziation, die das Unbewusste hervorbringt, das theoretische Fundament für seine Arbeit.

Auch in Tomasellis Werken lassen sich immer wieder Bezüge zwischen dem Unterbewusstsein und der Kunst erkennen. Ähnlich wie Max Ernst kreiert auch er in seinen Collagen mysteriöse Kompositionen aus phantastischen Figuren und Landschaften. Jackson Pollock, als dessen Vorreiter sich Max Ernst verstehen lässt, setzte sich intensiv mit Theorien des Wissenschaftlers C.G. Jung auseinander, der die Auffassung besaß, das Unbewusste sei der Ursprung jeglichen künstlerischen Schaffens. Auch in Pollocks Werk lassen sich Verbindungen zu Jung finden, so sah der Künstler beispielsweise in den Zeichen der indianischen Ureinwohner die Verknüpfung von Unbewusstem und künstlerischem Ausdruck, die Jung in seinen Theorien beschreibt. Auch wenn sich keinerlei Quellen finden lassen, die Tomasellis Beschäftigung mit C.G. Jung belegen, so zeugen seine Werke doch von einer bewusstseinserweiternden Wirkung, die er durch dynamische innerbildliche Strukturen evoziert. Diese Wirkung steigert der Künstler, indem er Pillen und pflanzliche Rauschmittel aus seinem eigenen Garten in seine Collagen einspeist. Auf diese Art und Weise erhebt Tomaselli die Enthüllung des Unterbewusstseins zum Thema seiner Arbeit. Während Pollock sich im Laufe seiner künstlerischen Entwicklung immer mehr von der Figuration löst, führt Tomaselli Pollocks künstlerischen Ansatz wieder in die Figuration zurück.

5 Schneede, Uwe M.: Die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert. Von den Avantgarden bis zur Gegenwart. München 2001, S. 90 f.

6 Bischoff, Ulrich: Max Ernst 1891–1976. Jenseits der Malerei. Köln 2005, S. 12 f. 7 Fischer, Lothar: Max Ernst, 1979, S. 148 f.

„Birding actually started for me a bit later. One day when I went birding with my brother. I mean, before that, birds were just like, what, dirt in the sky; I had never paid much attention to them. But I had the binoculars and all of a sudden I see this little thing and I focus in on it—it’s this brilliant little orange, yellow, and black creature clinging to a branch—and I look it up in the book and go, ‚Western tanager!‘ And I realized that I was understanding some- thing about the environment that I had never understood before. It was really fascinating to me, this idea of a parallel reality that really only needed to be unlocked with a certain kind of knowledge, a certain kind of information, and a certain kind of enhanced optics—all of which seemed especially relevant to me from a painterly point of view.“ 8 – Fred Tomaselli

Ende der 1920er Jahre schafft Max Ernst erste Bildserien seiner Vogel- und Waldmotive, die von da an sein ganzes Werk durchziehen sollen. Darunter findet sich vor allem die Vogelfigur Loplop, die oft als Ernsts Alter Ego beschrieben wird.9 Im Laufe der Jahre präsentiert sich der Künstler in Form verschiedenster, anthropomorpher Figuren, wobei er sich stets malerischer Techniken und der Collage bedient. So finden sich Beispiele ab den 1930er Jahren wie Loplop stellt Loplop vor (Abb.2).
Immer wieder taucht das Motiv des Vogels in Ernst Oeuvre auf, oft in Form von vermenschlichten Wesen. So auch Die Einkleidung der Braut (Abb.3), oft von KunsthistorikerInnen als Inszenierung des Künstlers neben seiner Geliebten Leonora Carringtoneine interpretiert. Das Bild zeigt eine Frau mit Vogelkopf, deren entblößter Körper unter einem roten, gefiederartigen Gewand, das bis zum Boden reicht, hervor scheint. Ähnlich wie Ernst bedient sich auch Tomaselli immer wieder des Vogelmotivs in seinen Werken. Eines der Beispiele bildet After Nov. 19, 2013 (2014) (Abb.4), eine von Tomasellis Photocollagen mit Acryl und Harz auf Holzgrund. Das Bild zeigt einen Vogel im Profil vor dunklem Grund auf einer abstrakten Landschaft positioniert. Seinen Kopf und Körper nach links gerichtet, steht der Vogel aufrecht während aus seinem Kopf Formationen aus bunten Kreisen trichterförmig nach oben steigen. In der Form eines Wirbelsturms breiten sich die Kreise nach oben hin aus, um schließlich am oberen Bildrand die gesamte Bildbreite einzunehmen. Im Hintergrund erstreckt sich ein tiefschwarzer Himmel, auf dem zahlreiche weiße Punkte angeordnet sind, die an einen Sternenhimmel erinnern. Am Horizont zieht sich ein dunkelroter ins gelb fließende Streifen entlang, der auf einen Sonnenunter- oder aufgang hindeutet. Vor diesem Hintergrund erstrahlt die überdimensional große Vogelfigur in Rot- und Blautönen, die ihr schuppenartiges Gefieder zum Leuchten bringen. Die Haltung des Vogels ist aufrecht und sein Gefieder liegt entspannt am Körper an. Sein orangefarbener, von bunten Mustern durchzogener Schnabel ist leicht geöffnet. Das Auge des Vogels ist dunkelblau und groß und sticht in seiner Größe und strudelartigen Form aus dem rötlichen Gefieder hervor. Auffallend groß wirken seine Füße, die mit langen, spitzen Krallen ausgestattet sind und sich in den steinigen Boden verhaken, der sich aus zahlreichen kantigen Steine zusammensetzt, die Tomaselli in dunkelgrau auf der Bildfläche anordnet.

Durch Tomasellis Abstraktion der Landschaft sowie die aufsteigenden bunten Kreisformationen, schafft der Künstler die Möglichkeit einer psychedelischen Erfahrung in der Betrachtung. Die Erweiterung des Bewusstseins beschreibt der Künstler mit einer strudelförmigen Farbexplosion, die aus dem Kopf des Vogels aufsteigt um sich schließlich über die gesamte obere Bildhälfte auszubreiten. Dabei kontrastiert Tomaselli die Landschaft zu Füßen des Vogels in ihrer Menschenleere und Tristesse mit den phantastischen Kreisformationen im oberen Bildfeld. Dystopische Stimmung trifft hier auf phantastische Bewusstseinserweiterung.

8 Weschler, Lawrence: „Tomaselli’s Times“ in: The Virginia Quarterly Review, 2014, Vol.90. 9 Fischer, Lothar: Max Ernst, 1979, S. 75 ff.

Das Motiv des Strudels taucht auch in Tomasellis Werk Gyre (2014) (Abb.5) auf. Die Photocollage im Hochformat zeigt einen aus dem Meer aufsteigenden Barsch, in dessen weit geöffnetes Maul ein bunter Strudel, bestehend aus verschiedensten Gegenständen, mündet. Ähnlich wie in After Nov. 19, 2013 erstreckt sich hinter dem Wesen der tiefschwarze Himmel, der von bunten Sternen geschmückt wird. Mit seiner schwingenden Flosse bildet der Fisch mit dem Strudel die Form eines ausladenden S, das das gesamte Bild ausfüllt. Den genannten Strudel bilden unzählige collagierte Elemente wie Autoreifen, Colaflaschen, Tiere, KLeidungsaccessoires, Verpackungen von Fastfood-Ketten, Fische, Metalldosen oder Lebensmittel. Tomaselli verwebt in dieser Collage Elemente der Popkultur wie die Coca-Cola Flasche mit kunsthistorischen Referenzen und schafft schlussendlich ein erneutes Bild von dystopischem Charakter. Das gesamte Bild ist von signifikanter Dynamik geprägt, die Tomaselli durch den Einsatz von Komplementärkontrasten erzeugt sowie durch den Einsatz von schwungvoller Linienführung und organischen Formen im Bild. Wellen und Meereswogen sowie der Flossenschlag des Barsches und der bildfüllende Strudel, der sogartig in das Maul des Fisches führt, setzen das Bild in Bewegung. Ebenso wie After Nov. 19, 2013, zeugt Gyre auch von psychedelischem, bewusstseinserweiterndem Charakter, jedoch überwiegt hier ein beinahe apokalyptischer, dystopischer Charakter. Gierig scheint der Barsch Tiere, Fahrzeuge, Gegenstände des alltäglichen Lebens und Lebensmittel zu verschlingen. Tomaselli erhebt damit die Domestizierung der Natur sowie den Massenkonsum der Gesellschaft zum Thema seines Bildes.

Bis heute leistet Tomaselli mit seinen bewusstseinserweiternden, sich stets zwischen Utopie und Dystopie bewegenden Collagen und Papierarbeiten einen entscheidenden Beitrag zur zeitgenössischen Kunstlandschaft Amerikas. Im Rahmen der Ausstellung „We All Love Art“ im Schlachthaus. fresh and fine art in Berlin, präsentiert Tomaselli seine Arbeit I love nature, I love gardening, 2017 (Tintendruck auf Papier).

The revelation of the unconscious
Fred Tomaselli opens the doors to a previously unknown world

“I want people to get lost in the work. I want to seduce people into it and I want people to escape inside the world of the work. In that way the work is pre-Modernist. I throw all of my obsessions and loves into the work, and I try not to be too embarrassed about any of it. I love nature, I love gardening, I love watching birds, and all of that gets into the work. I just try to be true to who I am and make the work I want to see. I don’t have a radical agenda.“1

This is a quote by New York-based artist Fred Tomaselli, describing his work in 2008. Prima facie, his art reminds the viewer of works by Manerist painter Giuseppe Arcimboldo who created similarly fragmented works during the late renaissance. However, Tomaselli’s work differs from the Italian artist’s paintings since he transcends the barriers of simple collages by creating psychedelic and mind-expanding images that draw the viewer into a dynamic swirl of associations.

Fred Tomaselli (*1956), who finishes his bachelor’s degree in painting and drawing at California State University, Eullerton in 1982, has meanwhile gained a well-acclaimed status on the stage of the international art world. In his expressive works on wood and paper, he discusses the notion of nature and the artificial as well as the perception of (supposed) reality and the human consciousness. In doing so, his works become a conglomeration of plants, prescription pills, hallucinogens and fragments of images taken from books and magazines, mostly depicting floral motifs. All those elements, the artist arranges on wooden panels in order to make them merge into new unities of figurations.

At the beginning of his productive period, Tomaselli already develops a fascination for hallucinogens and plant extracts, although he never got lost in drug consumption. However, the consequences of his experience and experiments can still be found in his works. His oeuvre is characterised by explosions of colour while they are always of utopian or dystopian character. Always shifting between figuration and abstraction, Tomaselli interweaves art historical typology with decorative elements from Western and Eastern cultures and eventually creates mind- expanding works, which come into form on wood and paper.

During his time at California State University, Tomaselli spends a lot of his time planting marijuana in his modest back-yard. In order to hide the cultivated intoxicant from his neighbours, Tomaselli starts planting a natural border and sight protection in form of tomato and vine plants. Over time, his interest in drugs shifts towards a general interest in planting and botanics.

„I built up this border of tomato and other vine plants all around the edges, and gradually those borders became even more interesting to me than the stuff they were intended to hide.“2

This is where Tomaselli’s constant fascination for the flora begins. The artist starts seeing the world of nature as a parallel reality, which invites us to reveal it. For Tomaselli, this is where he sees his own responsibility as an artist. He thinks of himself as someone who opens the door to another world for the viewer. Looking at Tomaselli’s works, recipients become aware of exactly that phenomena: Tomaselli’s ability to open the viewer’s eyes become evident. His works exemplify a mind-expanding character, they are peepholes to a different world, which seems to

1 Ayers, Robert:, Fred Tomaselli, Artinfo, 2006.
2 Weschler, Lawrence: „Tomaselli’s Times“ in: The Virginia Quarterly Review, 2014, Vol.90.

be familiar and alien at the same time. Thus, the artist succeeds in interweaving the subject of drugs with the notion of nature.

In 1985, Tomaselli eventually leaves Los Angeles for New York in order to realign and move into a house in Williamsburg in whose backyard he continues his passion for gardening. During this time, Tomaselli also begins embedding lines of psychotropic pills into his works on wooden panels.

„No doubt about it; I’m a news junkie to this day—I just really get a kick out of watching the history of the world unfold on a daily basis.“3

In 2005, Tomaselli turns towards a new medium by dealing with articles taken from the New York Times. While editing the front pages with gouache and collage technique, the artist creates surreal transformations of the articles and opens – similar to his wooden painting – a door to a different, peculiar world. In this context, Tomaselli sees himself as an editor, who uses the possibility of analogue editing in order to respond to the flood of news and the chaos of world politics. By editing the articles, Tomaselli not only cements on world affairs in a subjective way, but furthermore takes back control of the interpretation given by the press.

„Well, this was deep into the second Bush administration, the miserable fiasco of the Iraq War, and, despite that, his reelection, and I seemed to be yelling at the paper almost every morning— those were immensely frustrating and exasperating years to be a news junkie. And presently the yelling escalated to sometimes scrawling all over the paper—Tucking asshole‘ or ‚You bastards!‘ or whatever—and Laura, my wife, would go, ‚Oh, you’re wrecking my New York Times.‘ So I was already editorializing and graffitiing all over the paper anyway, and I decided to go with it… I just started drawing on it.“ 4

In his paper works, Tomaselli overlays the existing typograhical structure of the New York Times with floral, graphic and colourful fragments. His work titled„Guilty“ shows the Ex-Chief of WorldCome Bernie Ebbers clutching the hand of his wife. Looking at the photography, an analogy to Masaccio’s fresco titled „Expulsion from Paradise“ (Brancacci-Chapel, Florence) becomes

5
evident. Depicting the two protagonists „being expelled from the Eden of finance“ , this is only

one example of Tomaselli using art historical references.

3 Lawrence Weschler: „Tomaselli’s Times“ in: The Virginia Quarterly Review, 2014, Vol.90. 4 ib.
5 ib.

„Die Collage-Technik ist die systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten

Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu

ungeeigneten Ebene – und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten 6

überspringt.“ – Max Ernst

Nature and the exploration of the natural world has been discussed by artists ever since. And so does Fred Tomaselli who shows a profound interest in the natural world, which he reconciles with typological elements of art history, pop-culture and his own associations. By doing so, his works of surrealist character follow art historical traditions of the avant-garde of Eastern and Western cultures. In order to provide an art-historical perspective on the artist’s work, German artist Max Ernst and American artist Jackson Pollock play an important role.

Looking at Max Ernst’s oeuvre, several works can be found which contain grafic material from catalogues or textbooks. All these elements, are used for the artist’s work in order to create new contents through innovative combinations. Especially during his artistic phase after WWI, Ernst makes use of this method by painting over his collages, relating certain parts of the images and eventually merge them into a new work.7

Die Rolle des Malers besteht darin, einzukreisen und zu projizieren, was er in sich selbst sieht“8 – Max Ernst

Inspired by Giorgio de Chirico, one of the main representatives of the Pittura metafisica, Max Ernst associates motifs in an innovative way – a method which continued in Surrealism. For Ernst, this is where Sigmund Freud’s understanding of the free association becomes important. Freud claims, the free association to Verständnis von der freien Assoziation, die das Unbewusste hervorbringt, das theoretische Fundament für seine Arbeit.

In his works, Tomaselli repeatedly relates the unconscious with art. Similar to Max Ernst, he creates mysterious compositions of fantastic figures and landscapes in his collages. Jackson Pollock, whose pioneer was Max Ernst, dealt with scientist C.G. Jung’s theories, whose perception was the idea of the unconscious being the origin of any artistic creation. Even in Pollock’s work, links Jung’s theory can be found, such as his interpretation of indigenous people’s signs as a combination of the unconscious and artistic expression, Jung describes in his theories. Although there is prüf to be found about Tomaselli addressing C.G. Jung’s theories, his works still exemplify a mind-expanding effect which he evokes through dynamic structtures within his paintings. This effect is even strengthened by the use of pills and plant-based drugs from his own garden which he includes in his collages. In doing so, Tomaselli discusses the revelation of the unconscious in his works. While Pollock was more and more turning towards abstraction in his works, Tomaselli leads back his approach to figuration again.

6 Schneede, Uwe M.: Die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert. Von den Avantgarden bis zur Gegenwart. München 2001, S. 90 f.

7 Bischoff, Ulrich: Max Ernst 1891–1976. Jenseits der Malerei. Köln 2005, S. 12 f. 8 Fischer, Lothar: Max Ernst, 1979, S. 148 f.

„Birding actually started for me a bit later. One day when I went birding with my brother. I mean, before that, birds were just like, what, dirt in the sky; I had never paid much attention to them. But I had the binoculars and all of a sudden I see this little thing and I focus in on it—it’s this brilliant little orange, yellow, and black creature clinging to a branch—and I look it up in the book and go, ‚Western tanager!‘ And I realized that I was understanding some- thing about the environment that I had never understood before. It was really fascinating to me, this idea of a parallel reality that really only needed to be unlocked with a certain kind of knowledge, a certain kind of information, and a certain kind of enhanced optics—all of which seemed especially relevant to me from a painterly point of view.“ 9 – Fred Tomaselli

At the end of the 1920’s, Max Ernst creates a series of his first images depicting bird and forest motifs, which should become a significant part of his work later on. Among those, especially his bird figure Loplop can be found, which has often been described as Ernst’s Alter Ego.10 Through the years, the artist presented himself in form of various, anthropomorph figures while he was constantly making use of painterly techniques as well as the collage. Thus, several examples from the 1930 can be found, such asLoplop présente la belle saison (Abb.2) or Loplop présente deux fleurs (Abb.3).
The motif of the bird keeps appearing in Ernst’s oeuvre, often in form of humanized creatures such as Die Einkleidung der Braut (Abb.4), which was often interpreted as the artist’s enactment of himself and his lover Leonora Carringtoneine by art historians. The picture shows a woman whose head is one of a bird and whose naked body is partly covered by a red, feathery gown. Similar to Ernst, Tomaselli makes use of the bird motif in his works repeatedly. One example is After Nov. 19, 2013 (2014) (Abb.5), one of Tomaselli’s photo collages with acrylic and resin on panel. The picture shows a bird in profile view, standing on an abstract landscape. Its head and body are turned to the left while it is standing uprightly. From his head, formations of colourful circles are rising upwards in the shape of a whirl until they are finally taking up the entire picture width. In the background, the deep-black sky appears with numerous white spots which remind the viewer of stars. A dark-red stripe at the horizon indicates a sunset- or rise. Against this background, the over dimensioned bird figure is shining in red and blue shades, which makes its flaky plumage gleam. The bird’s posture is upright and its feathers fit closely to its body. The orange coloured, patterned beak is slightly opened while its eye is open-wide and contrasts with its beak in its dark blue colour. Its feet are strikingly big, equipped with long, sharp claws which are entangling themselves into the stony ground.

Tomaselli’s abstraction of the landscape as well as the rising formation of colourful circles create a psychedelic experience for the viewer. The expandion of the mind is described in the whirl-shaped colour explosion by the artist. In doing so, Tomaselli is contrasting the landscape in its deserted dreariness with the phantastic formation of circles in the upper part of the picture. Dystopian atmosphere meets phantastic expansion of consciousness.

The motif of the whirl also appears in Tomaselli’s work Gyre (2014) (Abb.6). The photocollage in portrait format depicts a curt rising from the sea while a whirl – consisting of various objects – is leading to his widely opened mouth. As in After Nov. 19, 2013 the pitch-black sky extends over the entire background decorated with colourful stars. Waving its fin, the fish , together with the whirl, forms the shape of an S which takes up the entire picture. Within the whirl innumerable objects such as car tyres, coke bottles, animals, accessories, fast food packaging, fish, metal tins and groceries. In his collage, Tomaselli combines elements Elemente of pop

9 Weschler, Lawrence: „Tomaselli’s Times“ in: The Virginia Quarterly Review, 2014, Vol.90. 10 Fischer, Lothar: Max Ernst, 1979, S. 75 ff.

culture such as coke bottles with art historical references and eventually creates another painting of dystopian character. The entire picture is characterised by a significant dynamism which is created by the use of complementary contrasts as well as the use of sweeping lines and organic forms within the picture.

Just as After Nov. 19, 2013, Tomaselli’s work Gyre shows a psychedelic, mind-expanding character. However, the nearly apocalyptic, dystopian character predominates in this case. Greedily, the curt seems to devour animals, vehicles, objects of the everyday life and groceries. With this work, Tomaselli discusses the domestication of nature as well as the general consumption of society.

Up to today, Tomaselli has been making a significant contribution to the contemporary art world of America and beyond with his collages and paper works shifting between utopia and dystopia. In the context of Schlachthaus. fresh and fine art’s exhibition „We All Love Art“ Tomaselli presents his work titled I love nature, I love gardening, 2017 (ink-jet print on paper).

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